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Tolerantes Sachsen
 
15.05.2017

Sächsischer Flüchtlingsrat | Protest gegen die Internierung von Schutzsuchenden in Sachsen

15.05.2017 | Pressemitteilung des Sächsischen Flüchtlingsrates e.V.

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Der geplante Ausreisegewahrsam in Sachsen empört eine Vielzahl zivilgesellschaftlicher Akteur*innen. Weithin bekannt sind die verheerenden Folgen, die Gewahrsam und Haft für die Betroffenen haben. Die zum Protest Aufrufenden wollen am kommenden Mittwoch [17.05.2017, Anmerk.Red.] um 12 Uhr gegen die voraussichtliche Zustimmung zum Vollzugsgesetz vor dem Landtagsgebäude protestieren. Trotz dass die Koalition nachjustierte, bleiben viele Punkte an dem Gesetz kritisch und ungeklärt.


Am kommenden Mittwoch wird der Sächsische Landtag über das Ausreisegewahrsamsvollzugsgesetz abstimmen. Geplant ist, dass sich Schutzsuchende Ende des Jahres in haftähnlichen Situationen wiederfinden werden. Auch Familien mit ihren Kindern und unbegleitete Minderjährige werden davon nicht ausgenommen sein. Aus der Zivilgesellschaft wird grundsätzliche Kritik am Vollzug des Gewahrsams laut. "Das ist ein Schritt zurück. Andere Landesregierungen nehmen Abstand von Abschiebehaft und Ausreisegewahrsam. In Sachsen aber soll für veranschlagte drei Millionen Euro ein aus unserer Sicht völlig sinnloses, in den Folgen aber verheerendes Vollzugsinstrument geschaffen werden." argumentiert Ali Moradi, Geschäftsführer des Sächsischen Flüchtlingsrats e.V. Der mit dem Gesetz zur Neubestimmung des Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung im August 2015 geschaffene Ausreisegewahrsam hat das Ziel, "die Abschiebung zu sichern." Was wie ein gewöhnlicher Verwaltungsakt klingt, hat weitreichende Auswirkungen auf die Psyche der Ingewahrsamgenommenen. Da sie keine Straftat begangen haben, ist die Haftsituation für sie nicht nachvollziehbar. In einer Studie des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes aus dem Jahr 2010 wird deutlich, dass das Unverständnis der Betroffenen über ihre Situation deren physische und psychische Gesundheit regelrecht verfallen lasse. Umso mehr, wenn Kinder inhaftiert sind, umso mehr wenn sie unbegleitet sind. "Aus diesen Gründen rufen wir zum Protest gegen den Ausreisegewahrsam am Mittwoch um 12 Uhr vor dem Landtagsgebäude auf." so Moradi.


Trotz Änderungsantrags bleibt das Gesetz hochproblematisch


Mit einem Änderungsantrag versuchten CDU und SPD, den Ausreisegewahrsam zu "verbessern". Nun sollen die Belange von besonders Schutzbedürftigen berücksichtigt werden. Was das heißt, wird nicht deutlich denn es bleibt der Generalverweis auf das Strafvollzugsgesetz - was für Straftäter*innen gilt. Inwiefern hier im Detail beispielsweise auf die besondere Situation von unbegleiteten Minderjährigen eingegangen wird, bleibt offen. Vor allem die fehlende psychotherapeutische und soziale Beratung vor Ort ist Anlass zur Besorgnis. Ein neu zu schaffender Beirat soll zudem Kontrolle gewährleisten. Dass anstelle dessen nicht ein Besuchsrecht für die Ingewahrsamgenommenen etabliert wurde, ist zu hinterfragen. Hier hätten die Betroffenen die Möglichkeit gehabt, direkt mit Anwält*innen und NGO-Mitarbeiter*innen zu sprechen sowie von Familie und Freund*innen Abschied zu nehmen. Große Zweifel gibt es zudem an der Rechtmäßigkeit der Standortwahl. Der entsprechende Paragraph zum Ausreisegewahrsam sieht vor, dass der Vollzug im oder in der Nähe eines Flughafens geschehen soll. Der Dresdner Flughafen verzeichnet aber so gut wie keine außereuropäischen Verbindungen. Moradi dazu: "Vorschnell wird hier ein als ultima ratio angedachtes Abschiebeinstrument geschaffen. Ich wiederhole noch einmal die Forderung unseres Appells vom November 2016 an die Mitglieder des Landtags: stimmen Sie dem Gesetz nicht zu! Ein so schludriges Gesetz wird Grundrechtsverletzungen zur Folge haben, ganz abgesehen davon dass der Ausreisegewahrsam selber eine reine Grundrechtsverletzung ist."

Eine kurze Auseinandersetzung zum Änderungsantrag der Koalitionsparteien finden Sie hier.


Die zum Protest Aufrufenden sind:


Afghanische Kulturgruppe Dresden
AG Asylsuchende Sächsische Schweiz Osterzgebirge e.V.
AKuBiZ e.V. Pirna
Arbeitskreis Ausländer und Asyl Freiberg e.V.
Asylum Seekers‘ Movement
Ausländerbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens
Bon Courage e.V.
Gefangenen Gewerkschaft / Bundesweite Organisation
Initiativkreis Menschen.Würdig e.V.
Kontakgruppe Asyl e.V. Dresden
Linksjugend [’solid] Dresden
Netzwerk Asyl, Migration, Flucht Dresden
Non-Citizen Council
Peperoncini e.V.
Refugee Law Clinic Leipzig e.V.
Romano Sumnal e.V.
Rote Hilfe e.V.
Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.
Zendegi (Leben) - Keine Abschiebungen nach Afghanistan

Kontakt
Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.

-Öffentlichkeitsarbeit-
Thomas Hoffmann
Tel.: 0351 / 33 22 52 35
Mail: pr@sfrev.de

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On Wednesday Saxon Parliament decides on Law regulating Custody

Protest against Detention of People seeking Protection in Saxony


The planned custody for the purpose of deportation appalls a great number of civil society. The consequences of detention and custody for the people affected are widely and well known. The supporters of the call for protest want to demonstrate against the expected approval of the law in front of State Parliament, next Wednesday, 12pm. Even though coalition readjusted the bill, many aspects of the law remain critical and unexplained.

Next Wednesday, Saxon Parliament will decide upon the law regulating custody for the purpose of deportation. People seeking protection will find themselves in detention-like situations at the end of the year. Families with their kids as well as unaccompanied minors won't be excluded. From civil society, fundamental critique is being voiced concerning the enforcement of custody. "This is a step back. Other state governments withdraw from detention and custody. Though, in Saxony, a completely senseless - but in its consequences disastrous - enforcement measure will be established." argues Ali Moradi, executive director of Saxon Refugee Council. With the Law on the Readjustment of Residence Right and Obligation to Leave, the custody was established. It's purpose: ensuring deportation. What sounds like a usual act of administration has far-reaching impact on the mental state of health of the people affected. Since they have not committed a crime, the situation of detention is not comprehensible. Jesuit-Refugee Service Europe published a study (English) in 2010 that the incomprehension lets outrightly deteriorate the mental as well as the physical health. Even more so when kids are affected, even more so when they are unaccompanied. "Due to those reasons we call for protest against the custody enforcement in front of State parliament on Wednesday, 12pm."


Despite a change request, the law remains highly problematic


CDU and SPD tried to improve custody by filing a change request. The concerns of people in a particularly vulnerable state are supposed to be considered now. No definition follows, on the contrary, the general reference to the Penal Procedure Code remains - which is applied to offenders. The particular situation of unaccompanied minors is not explicitly mentioned. Especially the lack of psycho-therapeutic and social advice give rise to concern. Additionally, a newly created advisory board shall ensure control. But it needs to be questioned, why the right to receive visitors was not included instead. The people affected would have had the direct possibility to speak with lawyers and NGO-employees, perhaps filing legal remedies, and to say Good Bye to family and friends. Great doubts exist when it comes to legality of the place of the facility. The accordant paragraph rules that custody shall be enforced in or close to an airport. Only, Dresden airport records almost no Non-European connections. Moradi adds: "Hastily, a deportation instrument is being established that is supposed to be ultima ratio. I repeat the demand of our appeal (German) from last November: do not approve the bill! Such a sloppy law will result in human rights violations, apart from custody being a pure human rights violations by itself."


A short discussion of the purposed change of law of the coaltion parties can be found here (English).


The supporters of the call are:


Afghanische Kulturgruppe Dresden
AG Asylsuchende Sächsische Schweiz Osterzgebirge e.V.
AKuBiZ e.V. Pirna
Arbeitskreis Ausländer und Asyl Freiberg e.V.
Asylum Seekers‘ Movement
Ausländerbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens
Bon Courage e.V.
Gefangenen Gewerkschaft / Bundesweite Organisation
Initiativkreis Menschen.Würdig e.V.
Kontakgruppe Asyl e.V. Dresden
Linksjugend [’solid] Dresden
Netzwerk Asyl, Migration, Flucht Dresden
Non-Citizen Council
Peperoncini e.V.
Refugee Law Clinic Leipzig e.V.
Romano Sumnal e.V.
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